Geschichte des Hofes
Lille Strandbygård ist ein traditionsreiches Herrenhaus, dessen Geschichte bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht. Über die Jahrhunderte wurde der Hof durch den Lauf der Zeit, das Lebenswerk seiner Bewohner und behutsame Veränderungen geformt – Schicht um Schicht Geschichte, die noch immer in den Wänden spürbar ist.
Auf dem Anwesen befinden sich mehrere erhaltene Wirtschaftsgebäude: Schmiede und Werkstatt, Heizraum, Wäscherei, Sägewerk, Pferdestall, Schweinestall und das Wohnhaus der Hofdame. Die Schmiede und Werkstatt tragen die Jahreszahlen 1782 und 1896, mit eingravierten Initialen, die von der Arbeit und dem Stolz früherer Generationen zeugen. Der 1929 architektonisch gestaltete Schweinestall, signiert HCM, spiegelt eine Zeit wider, in der selbst Nutzgebäude mit Sorgfalt und ästhetischem Anspruch errichtet wurden.
Das Haupthaus hat seit dem 16. Jahrhundert zahlreiche Renovierungen, Aufbauten und Umbauten erfahren und soll auch von einem größeren Brand betroffen gewesen sein. Die umfassendste Umgestaltung erfolgte 1909, als das Haus sein heutiges Erscheinungsbild erhielt – ein Werk, das bis heute die Initialen SMJ–AJD trägt.
Bei der Renovierung wurde jede Entscheidung mit Respekt vor der Seele des Hauses getroffen. Das Dach wurde vollständig restauriert, mit neuem Unterdach, diffusionsoffener Abdichtung, Holzfaserisolierung, Gusseisenfenstern, wieder aufgebauten Schornsteinen, Kupferdetails und glasierten Dachziegeln. Fenster und Türen sind handgefertigt aus massivem Kiefernholz, mit Leinölfarbe gestrichen und mit echtem mundgeblasenem Glas versehen. Fassade und Fundament wurden vorsichtig sandgestrahlt, damit das Haus wieder „atmen“ kann, frei von früheren Kunststofffarben.
Im Inneren trifft man auf ein Zuhause, in dem das Alte weiterlebt. Douglasien-Balken, kalkverputzte Wände, Leinöl- und Kalkfarben verbinden sich mit Tapeten, Wandvertäfelungen und schönen Stuckdecken, die die historischen Proportionen und die Eleganz der Räume wiedergeben. Bestehende Böden und Türen wurden erhalten, geschliffen und mit Leinölwachs oder Leinölfarbe behandelt. Gusseisene Heizkörper im antiken Stil ersetzen moderne Radiatoren und fügen sich harmonisch in die Umgebung ein.
Hinter dem historischen Erscheinungsbild liegt ein modernes Fundament: Alle Wasser- und Abwasserleitungen wurden erneuert, ebenso die gesamte Elektroinstallation. Ein neuer Technikraum beherbergt Umwälzpumpen, Warmwasserbereiter und Wasseraufbereitung – dezent, aber notwendig für ein Haus, das weiterhin genutzt werden soll.
Nach der Renovierung wird das Haus von drei rechteckigen Kachelöfen und fünf Gusseisenkaminen beheizt. 1909 hatte Strandbygård vier Schornsteine. Zu Beginn der Renovierung waren nur zwei erhalten – heute sind wieder alle vier restauriert und kehren so zur ursprünglichen Silhouette des Hauses zurück.
Die Einrichtung folgt dem klassischen Gutshofstil, mit antiken Möbeln, echten Teppichen und Kristallleuchtern, die das Licht einfangen und das Gefühl von Zeitlosigkeit verstärken.
Auch die Wirtschaftsgebäude werden renoviert, um den Witterungseinflüssen mindestens weitere hundert Jahre standzuhalten. Fachwerk aus Eiche wurde an mehreren Stellen durch neue Eiche ersetzt, sorgfältig bearbeitet wie in früheren Zeiten.
Die Renovierung ist von tiefem Respekt für Naturmaterialien und Handwerk geprägt. Kalk, Lehm, Ziegel, Marmor, Holzfaserisolierung, Leinölfarbe, Kalkfarbe, Kupfer, Granit, Tadelakt und recyceltes Material kommen zum Einsatz. Die Details sind ebenso wichtig wie das Ganze – Porzellan-Schalter, Gusseisenheizkörper, Laternen und Dachfenster aus Gusseisen tragen zum Charakter des Hauses bei.
Schmiedeeiserne Details werden von Hand gefertigt und nachgebildet: Griffe, Nägel, Schrauben und Beschläge. Massive Schrauben aus Messing und Eisen werden verwendet, und alle Eisenteile werden sandgestrahlt und mit Leinöl gebrannt, um den richtigen Ausdruck zu erzielen und schön zu altern.
Im Salon befindet sich einer der magischsten Räume des Anwesens. Die Decke ist handbemalt in Kalkfarbe und auf das Jahr 1786 datiert – eine stille Erinnerung an all die Leben, die hier vorbeigegangen sind. Die Worte, die die Decke schmücken, tragen die Geschichte weiter und flüstern aus einer anderen Zeit.
Lev warlig
Ter sparlig
Tiden er farlig
Döden kommer snarlig
Anno 1786
Der Text ruft zu Demut, Maßhaltung und Bewusstsein für die Vergänglichkeit des Lebens auf. Er spiegelt die Lebensauffassung des 18. Jahrhunderts wider, in der man eng mit Arbeit, Glauben und Tod lebte – und wo Erinnerungen an die Kürze des Lebens häufig in Häusern und öffentlichen Räumen sichtbar waren.
(Siehe Bilder weiter unten)
Lille Strandbygård in Nylars, 1946. Foto: Sylvest Jensen, KB. Es gibt acht Luftaufnahmen, bis einschließlich 1990.
Lille Strandbygård in Nylars, 1946. Foto: Sylvest Jensen, KB. Es gibt acht Luftaufnahmen, bis einschließlich 1990.
Personen im Garten vor dem alten Wohnhaus, das vor 1909 abgerissen wurde. Die Personen könnten A. Juul Dam und M.K. Jacobsen mit ihrem Gefolge und ihrem Jagdhund sein. Es könnten aber auch ihre Vorgänger sein, je nachdem, wann das Bild aufgenommen wurde. Beachten Sie, dass es im Garten etwas so Exotisches wie einen Quellwasserbrunnen gab.
Grundriss der alten Gebäude von Lille Strandbygård nach der Zeichnung des Architekten H. Zangenberg, die als Interpretation der Zeichnung von R. Mejborg aus dem Jahr 1889 gilt.